22.04.2026, Eurac Research, Conference Hall
Vor fünfzig Jahren wurde mit einer Durchführungsbestimmung ein Regelwerk geschaffen, das weit mehr war als eine verwaltungstechnische Lösung. Der ethnische Proporz wurde zu einem zentralen Instrument, um das Zusammenleben der drei Sprachgruppen in Südtirol auf eine neue, institutionell abgesicherte Grundlage zu stellen. Mit der Durchführungsbestimmung zum Proporz sollte Vertrauen geschaffen, Teilhabe garantiert und ein ausgewogenes Kräfteverhältnis in der öffentlichen Verwaltung sichergestellt werden.
Gemeinsam mit der Sprachgruppenzugehörigkeitserklärung sowie der Verpflichtung zur Zwei- bzw. Dreisprachigkeit im öffentlichen Dienst bildet der Proporz ein System, das über Jahrzehnte hinweg wesentlich zum Minderheitenschutz und zur Stabilität des friedlichen Zusammenlebens in Südtirol beigetragen hat.
Das 50-jährige Jubiläum in diesem Jahr bietet Anlass, Bilanz zu ziehen. Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich verändert: Demografie, Mobilität und Mehrsprachigkeit haben neue Formen angenommen, und auch die Herausforderungen für eine funktionierende Verwaltung sind andere geworden.
Die Tagung lädt daher dazu ein, die historischen und rechtlichen Grundlagen des Proporzsystems ebenso zu reflektieren wie seine praktische Anwendung, seine Spannungsfelder und seine aktuellen Herausforderungen. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Rolle der Proporz heute spielt und wie er sich weiterentwickeln kann, um auch in Zukunft Ausgleich, Gerechtigkeit und Zusammenhalt in einer vielfältigen Gesellschaft zu gewährleisten.
Die Teilnahme ist kostenlos. Aus organisatorischen Gründen bitten wir um Anmeldung per E-Mail an info@autonomyexperience.org innerhalb 10.04.26.
Die Sprachen der Veranstaltung sind Deutsch, Italienisch und Englisch. Es ist keine Simultanübersetzung vorgesehen.
Programm
09:00 Begrüßung und Einführung
Roland Psenner, Präsident Eurac Research
Marc Röggla, Leiter Center for Autonomy Experience, Eurac Research
09:15-09:45
Joseph Marko, Univ.Prof. i.R. am Institut für Öffentliches Recht und Politikwissenschaften der Universität Graz
Divide et impera oder Einheit durch Vielfalt? Europäische Konkordanzdemokratien im Vergleich
9:45-10:15
Oskar Peterlini, Freie Universität Bozen
Der ethnische Proporz in Südtirol: Ausgangslage, Spannungen und Kritiken, Entwicklung und internationale Vergleiche
10:15-10:45
Timon Gärtner, Direktor des Landesinstituts für Statistik ASTAT
Wie wird der sprachliche Proporz berechnet? Die Sprachgruppenzählung aus methodischer Sicht
10:45-11:00 Diskussion
11:00-11:30 Kaffeepause
11:30-12:00
Guido Denicolò, Jurist, Staatsadvokat i.R.
Jenseits der „ethnischen Käfige“? Widerstand gegen den Proporz im Rückblick
12:00-12:30
Andrea Carlà, Eurac Research
Il “disagio” per la proporzionale?
12:30-13:00
Sophie Mangutsch, Freie Universität Bozen; Paul Videsott, Freie Universität Bozen / Südtiroler Volksgruppen-Institut
Der ethnische Proporz aus ladinischer Sicht: Licht- und Schattenseiten
13:00-13:15
Diskussion
13:15-14:30 Mittagspause
14:30-15:00
Maddi Dorronsoro Olamusu, Visiting Researcher, Eurac Research
Beyond Quota Systems: The Case of the Basque Autonomous Community
15:00-15:30
Katharina Crepaz, Eurac Research; Jakob Volgger, Eurac Research
Mind the gap: Die Vertretung der Sprachgruppen und Geschlechter in Südtirols Gemeinderäten
15:30-16:00
Verena Wisthaler, Eurac Research
Migration und gesellschaftlicher Wandel: Wahrnehmungen des ethnischen Proporzsystems in Südtirol
16:00-16:30
Karin Ranzi, Direktorin des Amts für Landessprachen und Bürgerrechte
Wahrung der Zwei- und Dreisprachigkeit: Herausforderungen im Umgang mit Verletzungen des Rechts auf Gebrauch der Muttersprache in Südtirol
16:30-16:45 Diskussion
16:45-17:45
Es diskutieren: Andrea Carlá – Eurac Research; Marc Röggla – Eurac Research; Sofia Stuflesser – Presidënta dla Union di Ladins de Gherdëina; Tony Tschenett – Vorsitzender ASGB
Moderation: Anna Wolf, Eurac Research
17:45 Aperitif

